
Schön,
schlank und sexy„Sie machen ja nur Kabarett, arbeiten tun`S ja nix mehr. Und wenn Sie mich fragen: Zwei Stunden blöd daherreden, des könnte ich auch.“ Wer so frühmorgens von seiner Bäckereifachverkäuferin auf seine Defizite als Leistungsträger und Künstler angesprochen wird, der könnte schon mal verzweifeln. Oder auf die Idee kommen, eine Semmel auf ihre Tauglichkeit als Mordinstrument zu überprüfen. Nicht so Bettina von Haken, die mit diesem Sketch treffend vorführte, was an Vorurteilen so kursiert.
Dass gutes Kabarett auf einer Menge Arbeit und vielen Ideen basiert, davon konnte man sich auch beim vierten Programm der PrimaTonnen überzeugen, bei „(M)unterbelichtet“, mit dem Johanna Wolff von Schutter und Bettina von Haken in der fast ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS erneut ihr Publikum begeisterten. Auch wenn die zwei offen zugaben, dass ein Teil ihrer Anziehungskraft darauf beruhen würde, dass sich bei ihrem Anblick jede Frau sofort schlanker fühlen würde. Begleitet wurden die beiden wie üblich von der Liedermacherin Edeltraud Rey, die mit Gitarrenspiel und sarkastischen Texten das putzmuntere Treiben des schwergewichtigen Duos prächtig ergänzte bzw. kommentierte.
Da es sich um eine Vorpremiere gehandelt hat, wird sich am Programm wohl noch einiges ändern, aber in puncto Rauchverbot. Da zeigten die Kabarettistinnen auf, was auf dem Oktoberfest gar Schreckliches passieren könnte, sollten die Raucher auf dem Raucherbalkon der Wies'nzelte von militanten, mit Bionade abgefüllten Öko-Muttis überrannt werden.
Ein Dauerbrenner ist auch, was sich Männlein wie Weiblein auf Partnersuche im Internet so alles vorschwindeln. So auch Bettina, die sich als „Rehlein“ anzupreisen wagte, schön, schlank und sexy, um dann beim Blind Date mit dem Traummann festzustellen, dass der Gute statt eines Sixpacks ein ganzes Fass vor sich hertrug. Einfach zum Brüllen. Und wer kennt nicht den Frust bei den diversen Hotlines, wenn man ewig in der Leitung gehalten wird. Da konnte man den Ärger herrlich nachempfinden,
vor allem dann, wenn mit Johanna auch noch eine verständnislose Ossi-Dame am anderen Ende saß.
Ganz prima auch der Auftritt der beiden als Dienstboten-Girls, die so gerne anderweitig abstauben würden, und überaus witzig, wie sie anhand eines Schnittbogens das Profil der einzelnen bestimmten. Durchaus aktuell war auch ihr Klagelied über Politiker, die vom Pontius Pilatus-Syndrom befallen seien bzw. sich dauernd die Hände in Unschuld waschen müssten.
Rasant und bissig war auch ihr abschließender Sketch, der die beiden als Katastrophen-Junkies zeigte, die sich an Unfällen jeder Art ergötzen.
Kurzgesagt: Wieder einmal so pfundige wie offenherzige Unterhaltung, die vom Publikum mit entsprechend heftigem Applaus belohnt wurde.
Hut ab vor diesem Mann
Grandioses Konzert mit Leonard Cohen in der Salzburg-Arena
| Mit seinem triumphalen Bühnen-Comeback vor zwei Jahren hat er bewiesen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen zählt, der 1934 in Montreal/Kanada geborene Songwriter, Lyriker und Romancier Leonard Cohen. Bereits auf seinem ersten Album „Songs of Leonard Cohen“ (1967) finden sich Titel wie „Suzanne“, „Sisters of Mercy“ oder „So Long, Marianne“ – mittlerweile alles Klassiker. Seitdem zählt der Sänger mit der unverwechselbaren Stimme zu den wichtigsten und einflussreichsten Musikerpersönlichkeiten unserer Zeit. Dokumentarfilme, Auszeichnungen, Tribute-Alben und eine Fülle von Künstlern, die begierig darauf sind, Lieder des Altmeisters aufzunehmen, bestätigen dies. Jetzt ist er wieder auf Tournee und gab zur Freude seiner Fans auch in Salzburg ein Konzert. Ach was Freude! Geradezu ehrfürchtig tritt ihm das erstaunlich bunt gemischte Publikum in der fast ausverkauften Salzburg-Arena entgegen. Und ist gerührt, wenn Cohen zu seinem Eröffnungssong „Dance me to the end of love“ erklärt, da er nicht wisse, ob man sich wiedersehen werde, werde er an diesem Abend alles geben. Und genauso kommt es dann auch, (mit einer kurzen Pause) weit über drei Stunden lang. Begleitet von einer sechsköpfigen, überaus kompetent aufspielenden Band und drei formidablen Background-Sängerinnen, trägt er all seine großen Hits vor, bestens gelaunt und für sein Alter in Topform, mit einer Stimme, die noch dunkler und gebrochener klingt als gewohnt, in einer Atmosphäre, die man durchaus mit einer Andacht vergleichen kann. Wobei er zwischendurch immer wieder dem Publikum dankt und seinen Hut vor soviel Treue und Respekt zieht. Seinen Musikern/Sängerinnen, die er gleich zweimal vorstellt, lässt er dabei viel Raum, seinem unverkennbaren (Sprech)Gesang Tiefe und den für eine Bühnenshow nötigen Schwung zu verleihen. Ansonsten lenkt nichts ab von der Musik, nur ein paar Scheinwerfer tauchen die Bühne für jedes Lied in eine andere Grundfarbe. Bei den Zugaben gegen 23 Uhr gibt es dann kein Halten mehr, die Besucher stehen auf und strömen in Richtung Bühne, um dem „Doc Holiday der einsamen Sänger“ (Karl Bruckmaier) beim Showdown so nahe wie möglich gegenüber zu stehen. Hands up und Hut ab vor diesem Mann, kann ich da nur sagen. Und mich glücklich schätzen, dass ich dabei sein durfte. |
Rockin’ all over the world
Die Rocklegende John Fogerty war zu Gast in der Salzburg-Arena
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| Mit seiner Band Creedence Clearwater Revival, bei der auch sein 1990 verstorbener Bruder Tom mitspielte, hat der 1945 in Berkeley geborene Sänger, Gitarrist und Songwriter John Fogerty den Sound der Sechziger maßgeblich mitgeprägt. 1967 in San Francisco gegründet, brachte es das Quartett in den fünf Jahren seines Bestehens auf mehr als hundert Millionen Plattenverkäufe und war in den USA eine Zeitlang sogar populärer als die Beatles. Fünf Jahre, in denen Fogerty Hits wie „Proud Mary“, „Suzie Q“ oder „Bad Moon Rising“ nur so aus dem Ärmel schüttelte und mit seiner rauen, durchdringenden Stimme jedem Rockmusik-Liebhaber ein Begriff war. Dann der große Einbruch: Nach der Auflösung der Band im Herbst 1972 will seine Plattenfirma, bei der sämtliche Rechte liegen, Fogerty nicht einfach so ziehen lassen und macht es ihm unmöglich, weiterhin seine eigenen CCR-Songs zu spielen. Zwar gelingt Fogerty nach etlichen Anläufen eine durchaus erfolgreiche Solokarriere, doch die jahrzehntelangen, erst Ende der Neunziger ausgeräumten Rechtsstreitigkeiten machen ihm schwer zu schaffen. Von dieser leidvollen Vergangenheit ist in der fast ausverkauften Salzburg-Arena nichts mehr zu spüren. John Fogerty zeigt sich gutgelaunt und in Topform und legt auch gleich, unterstützt von einer hervorragenden sechsköpfigen Begleitband, mächtig los. Nach dem Opener „Hey Tonight“ geht es knapp zwei Stunden lang quer durch all seine Schaffensphasen, von Hardrock über Country bis zum Blues, frisch und kraftvoll und immer eng am Original, mit Stücken, die man hier nicht extra hervorheben muss. Es sei denn, es handelt sich um den Status Quo-Renner „Rockin` all over the world“, von dem die wenigsten wissen, dass er aus der Feder Fogertys stammt. Schön auch, dass er sich nicht zu schade ist, Songs anderer Künstler zu covern, und so stehen an diesem Abend auch Roy Orbisons „Pretty Woman“ und der „Summertime Blues“, mit dem eine längst vergessene Band namens Blue Cheer 1968 einen Hit hatte, auf dem Programm. Dabei merkt man nur seiner Stimme an, dass er älter geworden ist, ansonsten ist alles (fast) wie früher: Sein Spiel ist so einprägsam, temporeich und laut wie gehabt, vor allem dann, wenn auch noch der Geiger und der Keyboarder zur Gitarre greifen und damit sechs Gitarristen auf der Bühne rocken und die Halle aufheizen. Kein Wunder also, dass das erstaunlich bunt gemischte Publikum restlos begeistert ist und voll mitgeht, auch wenn Fogerty sich (angenehm) wortkarg zeigt und bis auf ein wiederholtes „Ich freue mich, hier zu sein“ und „Geht`s euch gut?“ nichts Persönliches preisgibt. Der einzige Wermutstropfen für mich persönlich war nur, dass mein absolutes Lieblingsstück „Who`ll Stop the Rain“ bei diesem Auftritt ungespielt blieb. Ansonsten: Ein Konzert der Extraklasse und wieder einmal der Beweis dafür, dass Rockmusik für immer jung hält. |
Wahnsinnig schön!
Martina Eisenreich & Andreas Hinterseher begeisterten im NUTS
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| „Wahnsinn! So schön ...“ Diese in der Reihe hinter mir geflüsterten Worte brachten es auf den Punkt, kurz und bündig. Denn es war tatsächlich der blanke Wahnsinn, was Martina Eisenreich auf der Geige und Andreas Hinterseher am Akkordeon da in der fast ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS boten. Schon allein technisch gesehen war das Konzert eine Meisterleistung. Einfach unglaublich, wie versiert, souverän und ausdrucksstark die beiden hier am Rande des physisch Möglichen aufspielten, sich gegenseitig inspirierend und anfeuernd. Kurz gesagt: Zwei Energiebündel, die sich kongenial ergänzten. Traumhaft aber auch ihr Gespür für feine, melodienfrohe Kompositionen von emotionaler Tiefe und atmosphärischer Dichte. Ob Walzer, Tango oder Filmmusik, von diesen Klängen konnte man sich davontragen lassen, auf einer Wolke der Stimmung und des Wohlbefindens schweben. Dazu trugen auch die stets perfekten, wunderbar luftigen Arrangements bei, die dabei zur Geltung kamen. Nicht umsonst ist Martina Eisenreich seit Kurzem auch Dozentin für Filmmusik und Sounddesign an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, und Andreas Hinterseher hat schon als Volksmusikant erkannt, wie wichtig eine geschickte Dramaturgie des Spiels ist. Begleitet wurden die beiden, die auch bei den Ensembles Lauschgold (Eisenreich) und Quadro Nuevo (Hinterseher) mitwirken, an diesem Abend bei einigen Stücken von Wolfgang Lohmeier, der sein „blaues Reiseschlagzeug“ mitgebracht hatte, ein aus kuriosen Einzelkomponenten zusammengefügtes, grandioses Gesamtkunstwerk. Mit dem er dann das Kunststück fertig brachte, das Potential von Martina Eisenreich & Andreas Hinterseher noch zu steigern und sie zu ungeahnten Höhenflügen anzuregen. Leider war nach einem allerletzten Tango (fast) Schluss, und so können wir nur hoffen, dass der Wahnsinnsapplaus, der ihnen mit auf den Weg gegeben wurde, nicht ohne Wirkung bleibt bzw. sie möglichst bald wieder im NUTS auftreten werden. |
Grandioser Folkrock made in Bayern Die Münchner Band IRXN war zu Gast im Studiotheater des Traunreuter k 1 |
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| Da sage mal einer, der Folkrock von heute halte keine Überraschungen mehr parat. Normalerweise bedeutet es ja nicht viel, wenn sich eine Band wie folgt beschreibt: „… Überraschend kreative Klangfarben und brillante Arrangements prägen ihren typischen Sound. Rockig, folkig, mystisch, fetzig, melodiös, groovig.“ An diesem Abend jedoch, beim Auftritt der Formation IRXN im Studiotheater des k 1, traf jedes Wort dieser Beschreibung zu. Weswegen man auch nicht lange rätseln musste, warum sich diese Münchner Band diesen ungewöhnlichen Namen gegeben hat. Denn wer es nicht (mehr) wissen sollte: Der altbairischen Ausdruck Irxn steht für Achsel, Schulter, aber auch für Achselschmalz (Irxnschmoiz) beziehungsweise Kraft haben. Und ein Kraftpaket bzw. wahre Energiebündel sind sie auch, die fünf Musiker von IRXN. Leider konnten sich davon nur wenige Zuschauer überzeugen, die zu dieser Veranstaltung im Rahmen des ersten Traunreuter Mundart-Festivals ins k 1 gekommen waren. Aber diese wenigen wurden bedient, wie selten ein Publikum bedient wurde. Einfach grandios, was German Heimrath (E-Geige), Reinhold Alsheimer (E-Gitarre), Peter Gschwandtner (Bass, Tuba), Markus Traurig (Schlagwerk) und Berni Maisberger (Gesang, Gitarre) hier ablieferten, mit welcher Spielfreude und welchem Elan sie ihren furiosen Mix aus Rock, Punk, Jazz und Klassik präsentierten. Verknüpft mit intelligenten, so tiefgründigen wie poetischen Texten, interpretiert von einem Sänger mit Präsenz und Charisma. Da klang vieles erfrischend anders, vielleicht auch deswegen, weil die Mitglieder der Band aus völlig verschiedenen Richtungen kommen: Reinhold Alsheimers musikalische Wurzeln sind im Punkrock/Skapunk, German Heimrath ist auch als Uni-Dozent und Orchestermusiker tätig, und Berni Maisberger war früher eine Größe in der bayerischen Volksmusik („Geschwister Maisberger“). Das schafft eine Bandbreite, die selten ist, und weil die fünf Musiker auch noch mit Leib und Seele dabei sind, können sie begeistern und berühren. Aufrichtige Musik eben, mit vielen eigenen, großartigen Ideen und mit Titeln, die einfühlsam und treffend von Liebe, Einsamkeit und Schmerz, aber auch von Protest und Widerstand erzählen. Denjenigen, die bei diesem Konzert, einer Veranstaltung der Theaterfabrik Traunreut in Kooperation mit dem k 1, nicht dabei sein konnten, sei als Trostpflaster die CD „Wolfspfad“ empfohlen. Mit dem Auftritt von IRXN ging das viertägige Traunreuter Mundart-Festival im k 1 auch zu Ende, ein Projekt, das im nächsten Jahr eine Neuauflage erfahren soll, wie Thomas Kazianka vom k 1 ankündigte. |
![]() | Das Privatleben der Brüder Grimm Gastspiel des Theaterhofs Priessenthal mit Ernst Jani in der Salzachhalle Laufen |
| Es waren einmal zwei Brüder, die jeder kennt: Jacob und Wilhelm Grimm. Oder genauer gesagt: Wir kennen ihre Werke und wissen um ihre Bedeutung, mit ihrem Privatleben sind wir indes weniger vertraut. Vielleicht auch deswegen, weil die beiden schon zu Lebzeiten als spießig verspottet wurden, als fleißige Biedermänner, die nur für ihre Arbeit lebten. Diesen scheinbar öden Germanistenalltag zu durchleuchten und publikumswirksam aufzubereiten, hatte sich die Autorin und Schauspielerin Dagmar Papula mit ihrem Theaterstück „Die Brüder Grimm“ vorgenommen. Mit durchschlagendem Erfolg, wie man jetzt bei der Aufführung mit Akteuren des Theaterhofs Priessenthal in der sehr gut besuchten Salzachhalle in Laufen feststellen konnte. Überaus treffend und effizient bereits der Einstieg: Da sitzen die beiden Gelehrten versunken in ihrer Arbeit an ihren Schreibtischen und Jacob (Martin Lüttge) merkt beiläufig an: „Ein Tee wäre recht.“ – „Wer macht ihn?“, fragt Wilhelm (Norbert Kentrup). Beginn einer zunehmend hitzigen Debatte darüber, wer von den beiden sich opfern bzw. heiraten solle. So unterhaltsam und informativ, wie dieses Dilemma der beiden Eigenbrötler von der Autorin auf den Punkt gebracht wurde, geht es auch weiter. Wir werden im Verlauf der nachfolgenden, überaus abwechslungsreichen zwei Stunden mit den Folgen dieser überraschend gut funktionierenden Zweckehe zwischen Wilhelm und Dorothea/Dortchen Grimm (Marlen Breitinger) bekannt gemacht, aber auch mit den alltäglichen Sorgen der Brüder und ihren Ängsten um den Arbeitsplatz, verknüpft mit den Unruhen des Vormärz und der Revolutionskämpfe von 1848, konfrontiert. Breiter Raum wird dabei auch der zweiten wichtigen Frau in ihrem Leben, Bettine von Arnim (Dagmar Papula), zugestanden, denen die Brüder viel zu verdanken hatten. Die Leistungen der Schauspieler kann man dabei nur als grandios bezeichnen. Martin Lüttge, den meisten noch als „Tatort“-Kommissar bekannt, wie auch Norbert Kentrup, Marlen Breitinger und Dagmar Papula lieferten ungemein präzise Charakterstudien – sie führten ihre Figuren mit all ihren Stärken und Schwächen vor, gleichzeitig komisch und ernsthaft, leicht und doch voller Tiefgang. Einfach wunderbar. Da ein fester Bestandteil des Stückes der Auftritt eines regionalen Geschichtenerzählers ist, trat nach der Pause Ernst Jani an. Er hatte einen Text des Tittmoningers Josef Wittmann mitgebracht, eine höchst vergnügliche Geschichte um eine alkoholselige Plättenfahrt, von Jani in angemessen feuchtfröhlichem Tonfall dargeboten. Ein Intermezzo, das sich bestens einfügte und den überaus positiven Eindruck dieser Aufführung noch verstärkte. Der Applaus des Publikums war entsprechend bzw. wollte nicht enden. |
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**********************************************************************************************Fotos: M.Heel
„Hühnerarsch sei wachsam“ |
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Auch wenn er das Image des musikalischen Paradiesvogels längst abgelegt hat, kein Make-Up und keine schrillen Kostüme mehr, Rock`n`Roller, Poet und „nachtaktives Tier“ ist er geblieben, der mittlerweile 61-jährige Ex-Kardiologe und Kabarettist Georg Ringsgwandl. Im ausverkauften Trostberger Postsaal stellte er jetzt sein neues Programm „Untersendling – Der Klang eines Viertels“ vor, verknüpft mit vielen Songs aus seinem reichhaltigen Repertoire. Begleitet wurde er dabei von Nick Woodland an der Gitarre/Mandoline, von Manni Mildenberger am Schlagzeug, der auch das Keyboard bediente und ein paar Gesangseinlagen beisteuerte, und von Sebastian Gieck am Bass. Drei exzellente Musiker, die mit bodenständigem Bluesrock den „ironischen Hund mit halbseidenem Balkan-Schick“, so Ringsgwandl in einem Interview über sich selbst, bestens ergänzten. Der Klang eines Viertels! Der wird laut Ringsgwandl auch dadurch bestimmt, dass hier Bäckerei-Fachverkäuferinnen noch umschwärmt sein wollen und die wichtigen Dinge nach wie vor analog passieren. Dass weltentrückte Finanzgenies von ihren frustrierten Ehefrauen mit dem Handwerker von nebenan betrogen werden und Falschparker Ringsgwandl von der sexy Politesse Vroni träumt. Härteren Stoff, unterlegt mit schwindsüchtigem Zitherspiel, bot er mit seinem Bekenntnis zum „Konsumverweigerer“ Ringsgwandl, der absichtlich den Aufschwung verhindert „bis hin zum gebrauchten Fichtensarg“, und mit seinem Besuch beim „Garten-Nazi“, anzutreffen dort, „wo`s nimmer Stadt und no net Land is“. Deftig erotisch hingegen sein fetziges Lied „Wäsch versaun“. ********************************************************************************************************************************** |
![]() | Das letzte Wort hat der Mörder „Tannöd“: Szenische Lesung mit Musik in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS |
| Selten hat hierzulande ein Kriminalroman für so viel Aufmerksamkeit gesorgt wie „Tannöd“. Mit Preisen überhäuft und ein Bestseller, machte er vor drei Jahren die Regensburger Autorin Andrea Maria Schenkel zum Shooting-Star der deutschen Krimiszene. Gefolgt von einer höchst medienwirksamen Debatte über künstlerische Freiheit, als der Sachbuchautor Peter Leuschner behauptete, Schenkel habe aus seinem Buch „Der Mordfall Hinterkaifeck“ vieles abgeschrieben, und die Autorin verklagte. Eine Klage, die soeben vom Oberlandesgericht München in zweiter Instanz abgewiesen wurde: „Tannöd“ sei kein Plagiat, weswegen Leuschner auch keine Unterlassungsansprüche oder Zahlungen wegen Urheberrechtsverletzung zustehen würden. Keine Bedenken gab es zum Glück bei der szenischen Lesung des Romans in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. Die war, um es gleich zu sagen, schlichtweg kongenial. Die aus zahlreichen Theater- und Fernsehproduktionen bekannten Schauspieler Christiane Blumhoff (eingesprungen für die angekündigte, aber leider erkrankte Corinna Binzer) und Heinz-Josef Braun blieben nämlich dicht am Original dieser kruden Geschichte um Habgier, Bigotterie, Inzucht und Mord und setzten die vielen Stimmen der Vorlage in Ausdrucksweise, Tonfall und Mimik derart lebensnah und einprägsam in Szene, dass einem richtiggehend unheimlich werden konnte. Zumal es nicht sonderlich sympathische Personen waren, die dabei zu Wort kamen: Die Opfer, etliche Nachbarn und Bekannte der ausgelöschten Bauersfamilie, eine Pfarrersköchin, ein Monteur, ein Briefträger sowie ein Dieb, der indirekt Zeuge der mörderischen Vorgänge wird. Nicht zu vergessen der Mörder selbst, der seine Tat, die doch unerklärlich ist, zu erklären versucht: „Wie in einen Rausch ist er geraten, einen Rausch aus Blut, die Sinne vernebelt, nicht mehr Herr seiner selbst.“ Musikalisch begleitet wurde die Lesung vom „Art Ensemble of Passau“, das waren Leo Gmelch (Tuba, Posaune), Peter Tuscher (Trompete), Yogo Pausch (Schlagwerk) sowie Christian Ludwig Mayer (Akkordeon, Gitarre, Trompete und Komponist der Formation), die mit einem herrlich schrägen Mix aus Fetzen von Tanzbodenmusik, Trauermärschen und ländlichen Geräuschen dieses „Heimat als Horror“-Stück brillant ergänzten. Das Publikum im fast ausverkauften NUTS bedankte sich mit rauschendem Applaus. |
******************************************************************************************************* Die Kabarettistin Monika Gruber war zu Gast in der Traunsteiner Chiemgau-Halle |
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| Ich glaube, sie könnte auch aus dem Telefonbuch vorlesen und die Zuschauer würden dennoch aus dem Lachen nicht mehr rauskommen, so beliebt ist sie derzeit, die Kabarettistin Monika Gruber. So auch in der ausverkauften Traunsteiner Chiemgau-Halle, wo sie ihr drittes Soloprogramm „Zu wahr, um schön zu sein“ präsentierte. Weit über zwei Stunden lang und mit einem derartigen Höllentempo, dass einem Hören und Sehen verging bzw. mir fast der Stift aus der Hand fiel. Einfach unglaublich, was diese Frau, aufgewachsen auf dem elterlichen Bauernhof in Tittenkofen, Landkreis Erding, gelernte Fremdsprachensekretärin und seit 2002 als Kabarettistin unterwegs, drauf hat. Mit welcher Leichtigkeit sie in die verschiedensten Rollen schlüpft und mit welchem Elan sie ihre Wortkanonaden abfeuert. Stellenweise derb zwar, aber niemals aggressiv oder gar denunzierend. Gleich beim Einstieg bekannte sie, dass sie nach zwei Jahren wieder Single sei, möglicherweise auch deswegen, weil ihr Partner in dieser Zeit nicht zu Wort gekommen sei. Anhand der Boulevard-Schlagzeile „Sex-Beichte im TV“ verwies sie dann auf ihren (vorläufigen) Abschied vom Bayerischen Fernsehen, wo sie jahrelang als „Kellnerin Monique" für „Kanal Fatal" und für die Comedy-Serie „Die Komiker" an der Seite von Günter Grünwald, Andreas Giebel und Michi Altinger aufgetreten war. Spannend auch zu erfahren, wie es vor einem Auftritt in ihrer Garderobe zugeht, wo sich vom Bürgermeister über die örtliche Milchkönigin bis hin zum obligatorischen Zeitungsmenschen Leute einfänden, die so schöne Fragen wie „Was machen Sie eigentlich hauptberuflich?“ oder „Ich habe bis heute nichts von Ihnen gehört ...“ stellen würden. Im Mittelpunkt ihres Programms stand jedoch der ewige Gegensatz Mann-Frau, ein Zündstoff, zu dem sie treffend und mit viel Esprit jede Menge Erkenntnisse, oder besser gesagt: Bekenntnisse, ablieferte. Etwa, dass Frauen immerzu jammern würden und sich nie schön genug fänden, während Männer nach einem flüchtigen Blick in den Spiegel einfach sagen würden: Passt eh. Stark auch, dass sie gegen Ende ihrer Show den Spaßfaktor mal beiseite ließ und durchaus glaubwürdig verschiedene soziale Missstände aufs Korn nahm. Kurz gesagt: Ein toller Abend mit einer sichtlich gereiften Kabarettistin, bei dem kein Auge trocken und kein Witz auf der Strecke blieb. |
| ******************************************************************************************************************************** Schon älter und doch für immer jung ... Grandioses Konzert mit Wolfgang Ambros in der Salzachhalle in Laufen
Ein, zwei Falten mehr auf der Stirn, die Stimme noch etwas rauher und brüchiger als gewohnt, aber sonst war er ganz der alte, der Wiener Liedermacher Wolfgang Ambros bei seinem Konzert im Rahmen der Salzach-Festspiele. Eine Veranstaltung, die eigentlich auf Schloss Triebenbach bei Laufen hätte stattfinden sollen, aus wetterbedingten Gründen jedoch in die (ausverkaufte) Salzachhalle verlegt worden war. Der Stimmung tat`s keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Ambros, begleitet von Günter Dzikowski (Keyboards, Akkordeon und Gesang), hat sich jedenfalls sichtlich wohlgefühlt und wie üblich seine Lieder weitgehend für sich selbst sprechen lassen. Hat nur ein paar Mal mit launigen Worten kurz von sich erzählt, von einem Besuch im Café Hawelka etwa, und ansonsten seine bald vier Jahrzehnte umfassende Karriere Revue passieren lassen. Da durften die großen Hits wie „Da Hofa“, „Es lebe der Zentralfriedhof“ oder „Die Blume aus dem Gemeindebau“ natürlich nicht nicht fehlen, der Schwerpunkt des Abends lag aber eindeutig auf intimen, sehr persönlichen Songs wie „Verwahrlost, aber frei“ oder „Ein kleines Resumée“. Da konnte man vieles nachvollziehen und ihm gerne glauben, dass „oid wern“ gar nicht so schlimm sei. Sehr berührend auch seine Hommage an Georg Danzer, da hat wohl so mancher im Publikum sein Taschentuch gezückt, beim Wiederhören von den „schneeweißen Pferden am Strand“ und „Lass mi amoi no d`Sun aufgeh` segn“, einem der schönsten Abschiedslieder aller Zeiten. Aber auch die Fans von Bob Dylan kamen mit seinen eingedeutschten Interpretationen von „Love Minus Zero“ bzw. „Wahre Liebe“ und dem unverwüstlichen „Für immer jung“ auf ihre Kosten. Recht witzig hingegen seine weinselige Verbeugung vor Hans Moser und dessen früherem Leben als Reblaus. Und weil wir schon dabei sind, zuletzt noch ein Witz von Ambros, den ich hier leicht verkürzt zitiere: Gottvater, Jesus und Maria haben Urlaubspläne, können sich aber nicht einig werden, wohin die Reise gehen soll. Bis Jesus den Vorschlag macht, nach Lourdes zu fahren. Da ruft Maria begeistert: „Prima, da war ich noch nie!“ Wie dem auch sei, wer an diesem Abend in der Salzachhalle war, der hat zumindest ein wunderbares Konzert erlebt. |
| | .„Ja, wo ist denn der Dichterling?“ Lesung mit Detlev Eckstein aus „Meine Preise“ von Thomas Bernhard . Foto: M.Heel |
| Dass Thomas Bernhard ein reichlich gespaltenes Verhältnis zu den Preisen hatte, mit denen er im Lauf der Jahre für sein schriftstellerisches Schaffen ausgezeichnet wurde, ist spätestens seit Erscheinen des Bandes „Meine Preise“ auch einem breiteren Publikum bekannt. Das Geld nahm er selbstverständlich gerne entgegen, aber die Umstände der diversen Preisverleihungen, die haben ihn selten beglückt. Man denke nur an den Eklat bei der Übergabe des Österreichischen Staatspreises für Literatur, als er mit seiner Ansprache die Preisgeber derart irritierte, dass sie erbost das Weite suchten. Aber auch bei der Verleihung des Grillparzer-Preises, deren Beschreibung der Schauspieler Detlev Eckstein bei seiner Lesung im Traunsteiner Kunstraum Klosterkirche an den Anfang stellte, war es wohl recht turbulent zugegangen. Auch deswegen, weil Bernhard zunächst mit dem dringlichen Erwerb eines Anzugs für die Feierlichkeiten im Festsaal der Akademie der Wissenschaften in Wien beschäftigt war. Und sich anschließend, da beim Eintreffen unerkannt und unbeachtet geblieben, mitten im Publikum niederließ und abwartete, was denn nun geschehen würde. Als er dann endlich auf das Podium geholt wurde, war auch hier niemand so richtig auf sein Erscheinen vorbereitet, so dass eine gewisse Frau Minister Firnberg dumm-ahnungslos fragen konnte: „Ja, wo ist denn der Dichterling?“ Nur naheliegend also, dass Bernhard umgehend die Flucht ergriff. Den Anzug, der ihm kurz darauf als zu eng vorkam, konnte er übrigens anstandslos umtauschen. Eine Ausnahme bildete der Literaturpreis der Bundeswirtschaftskammer, der Bernhard im Schloss Kleßheim in Salzburg verliehen wurde. Da fühlte er sich unter den ehrwürdigen Herren des Kaufmannsstandes ungeheuer wohl, auch wenn sein Bericht darüber infolge des unverhofften Wiedersehens mit dem sterbenskranken Präsidenten der Salzburger Handelskammer, Haidenthaller, der ihm vor über dreißig Jahren die mündliche Kaufmannsgehilfenprüfung abgenommen hatte, eher melancholisch geprägt ist. Wieder zum Schmunzeln hingegen die Folgeerscheinungen des Julius-Campe-Preises. Von den 5000 DM Preisgeld kaufte sich Bernhard einen englischen Sportwagen der Marke „Triumph Herald“, der ihm etliche Monate lang auch viel Freude bereitete. Bis er in Jugoslawien (unverschuldet) in einen Unfall verwickelt wurde und der „Herald“ nur noch ein Blechklumpen war. Schönes Nachspiel hierbei: Ein mit der Regelung des Unfalls beauftragter Rechtsanwalt verschaffte ihm entgegen jeder Erwartung nicht nur vollen Schadensersatz und Schmerzensgeld dazu, sondern auch noch eine sogenannte Kleiderabfindung in ungeahnter Höhe. Detlev Eckstein, 1949 in Berlin geboren und seit den siebziger Jahren Mitwirkender bei unzähligen Theater- und TV-Produktionen, brachte dabei mit seinem sehr flüssigen und einnehmenden Vortrag die „Innere Musik“ der Texte Bernhards, seinen Sarkasmus, seine Ironie, seine Kunst der Überzeichnung, seinen Drang zur Dramatisierung, mit eleganter Note bestens zur Geltung. Leider waren nicht wenige Plätze im Kunstraum Klosterkirche frei geblieben, die Anwesenden dankten mit heftigem Applaus. |
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Hubertvon Goisern
Nix glogn, wos net a wahr wär Fotos: M. Heel
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Auch wenn sein neues Album „S`Nix“ von der Kritik wie vom Publikum eher zurückhaltend aufgenommen wurde, bei seinem Konzert im ausverkauften Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum war von Zurückhaltung nichts zu spüren. Weder bei seinen Fans unten, noch bei ihm oben auf der Bühne. Und das aus guten Gründen. Back to Rock`n`Roll, lautete die Devise, und entsprechend lautstark mit viel Gitarre und Schlagzeug ging es gleich temporeich zur Sache. „Showtime“ eben. Von Hubert von Goisern und seiner jungen, siebenköpfigen Truppe so virtuos und dynamisch in Szene gesetzt, dass es der Wahnsinn war. Ein Wahnsinn auch, was dieser Ausnahmemusiker bis heute so alles auf die Beine gestellt hat. So kehrte er nach ausgedehnten Reisen, diversen sozialen Engagements und Ausflügen in die Weltmusik vor etlichen Jahren zum Liedgut seiner Heimat zurück, das er auf den Alben „Trad“ und „Trad II“ neu und ungemein frisch interpretierte. Im Sommer 2007 fuhr er dann auf einem zur Bühne umgebauten Frachtschiff von Linz donauabwärts bis ans Schwarze Meer, legte immer wieder an neuen Orten an und trat mit seiner Band und einheimischen Musikern auf. Dabei entstand auch das Album „S`Nix“, mit großen musikalischen Gesten, wie er in einem Interview sagte, da die Bühne immer sehr weit weg vom Publikum gewesen sei. Jetzt liegt diese „Linz Europa Tour“, die Hubert von Goisern in diesem Jahr noch über den Main-Donau-Kanal bis nach Rotterdam geführt hat, weitgehend hinter ihm. Aber der Mann, locker und leger im Umgang mit seinem Publikum, ist immer noch in Hochform. Und zeigt das auch, nahezu drei Stunden lang. Geschickt mischt er Lieder mit Aussage mit euphorischen (Jodler)Vokalparts, und wenn er sich per Ziehharmonika mit seinem hervorragenden, hart und präzise aufspielenden Gitarristen Severin Trogbacher „anlegt“, scheint er innerlich zu brennen. Auch drei Sängerinnen sind mit von der Partie und heizen seine energiegeladene Bühnenshow, eine Art Best of Goisern inklusive einiger Stücke aus „S`Nix“, weiter an. Zwischendurch erzählt der Musiker von seiner Flussfahrt, von den Menschen, die ihm dabei begegnet sind und ihm ihre Sorgen und Nöte geschildert haben, oder von Menschen, die er schon kennt wie seine etwas langsam geratenen Landsleute um Bad Aussee. Fazit: Kein normales Konzert, sondern ein Ereignis von besonderem Rang, das noch lange nachwirkt.
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Heiße Rhythmen – Cooler Sound
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| 1947 in Mexiko geboren, gelang ihm zwanzig Jahre später in San Francisco mit der Santana Blues Band der Durchbruch, mit seiner unverwechselbaren, so wuchtigen wie melodischen Mixtur aus Rock, Blues und Jazz, angereichert mit lateinamerikanischen und afrokubanischen Rhythmen. Seitdem steht er mit an der Spitze des internationalen Rockmusikgeschehens, mit mehr als 60 Millionen verkauften Alben und unzähligen Hits wie „Jingo“, „Soul sacrifice“ oder Black magic woman“: Carlos Santana. Ein Gitarrenkünstler, der weiß, was er seinen Fans schuldig ist: Kaum auf der Bühne und eingestimmt von der gut geölten Rhythmusmaschine seiner drei Drummer/Percussionisten, lässt er das magische, einzigartige, immer wieder unter die Haut gehende Intro zu „Jingo“ los, und schon sind wir mitten drin, sind auch die ergriffen, die Carlos Santana und den musikalischen Zeitgeist der 60er Jahre inklusive Woodstock nur vom Hörensagen kennen. Und so geht es im restlos ausverkauften Saal weit über zwei Stunden lang weiter, entfacht die zehnköpfige Band um den Super-Gitarristen ein polyrhythmisches und doch ungemein harmonisches Feuerwerk sondergleichen. Ein Feuerwerk, das zwar einige Male droht, übers Ziel hinauszuschießen, aber von Carlos stets rechtzeitig mit ruhigen, bluesbetonten Einlagen gedämpft wird. Insgesamt 16 Titel stehen auf dem Programm, eine bunte Mischung aus Altem und Neuem, Rock und Gefühl, perfektem Zusammenspiel und solistischen Glanzleistungen. Geschickt montierte Videoeinspielungen vom Bühnengeschehen sowie Videoclips aus den Anfangsjahren der Band verstärken den Effekt und geben auch den Besuchern auf hinteren Rängen das Gefühl, hautnah dabei zu sein. Kurz gesagt, ein phantastisches Konzert mit Musik, die allen Moden und Zeitwenden trotzte und bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat. |
Die „Sexgöttin der Oberpfalz“ |
| Das gönn ich ihm, merkte die Kabarettistin gleich zu Beginn ihres Programms an. Gemeint war ihr (ebenfalls anwesender) Gatte, der ihre ausgeprägten Rundungen im Laufe der Jahre zu schätzen gelernt habe. Ob zwangsweise, notgedrungen oder tatsächlich aus Liebe, blieb dabei gnädigerweise im Dunkeln. Womit sich aber sofort die Frage stellte, ob das, was gut und vielleicht sogar begehrenswert für ihren Mann ist, auch gut und bekömmlich für das Publikum in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS sein würde. Die Antwort darauf ist ein klares Ja. Und das nicht nur meinerseits, wie der heftige Applaus des überwiegend weiblichen Publikums bewies. Denn was die selbsternannte „Sexgöttin der Oberpfalz“ an diesem Abend bot, war Musikkabarett vom Feinsten, witzig, ironisch und schräg erotisch. Zugegeben, nicht alles war (vom Text her) zwingend komisch oder unbedingt originell, aber in Verbindung mit ihrer zweiten Kapitalanlage, ihrer so schwergewichtigen wie wandlungsfähigen Bühnenpräsenz, allemal einen kräftigen Lacher wert. Handfest zu spüren bekam dies vor allem ein Zuschauer namens Georg, der das Pech (oder Glück) hatte, in der ersten Reihe zu sitzen. Der wurde von ihr richtiggehend umgarnt und ständig nach seiner Meinung gefragt, und zu guter Letzt sogar auf die Bühne geholt, um im Duett mit der Kabarettistin eine Liebesszene aus dem Film „Titanic“ nachzuspielen. Überaus amüsant auch ihre musikalischen Einlagen, ob Mozart oder (russischer) Hardrock am Kontrabass, ob „Strangers in the night“ auf Sächsisch intoniert, ob als Tina Turner mit hochgeschobenem Rock herumstampfend. Das hierbei angedrohte stage diving der Kabarettistin blieb uns zum Glück erspart, da wäre wohl Panik ausgebrochen, stattdessen schleuderte sie etliche (ihrer?) Höschen ins Publikum. Ansonsten drehte sich das meiste um den ewigen Gegensatz Mann/Frau. Um Fragen, die Männer am wenigsten hören wollen („Was würdest du machen, wenn ich sterbe?“), um Unterschiede wie: „Frauen können einen Orgasmus vortäuschen, Männer eine ganze Beziehung“, um Männer, die nur ins Bordell gehen, um zu reden, und es sich dann anders überlegen. Nebenbei beklagte sich Lizzy Aumeier über die Disziplin, die sie aufbringen müsse, um abends etwas zu essen, und gab Frauen noch den Rat, sich nicht damit zu begnügen, so gut bzw. erfolgreich wie die Männer zu sein. Denn dann hätten sie keinen Ehrgeiz.Am Piano begleitet wurde Lizzy Aumeier wie üblich von „Süddeutschlands beliebtester Gastarbeiterin“ Tatjana Shapira, die zwischendurch mit so manch staubtrockener Bemerkung ihrer Brötchengeberin Kontra gab und diese, wenn sie es denn zu arg (über)trieb, auf den Boden der Realität zurückholte. |
| | | Viel Power und viel Gefühl Grandioses Konzert des amerikanischen Sängers Lionel Richie in der Salzburg-Arena |
Er hat Musikgeschichte geschrieben, der am 20 Juni 1949 in Tuskegee/Alabama geborene Lionel Richie. Zunächst als Frontsänger und treibende Kraft der 1968 gegründeten Rhythm & Rock-Combo Commodores, mit temporeichen, funkorientierten Krachern wie „Machine Gun“ oder „Brick House“, von der Kritik als „Antwort der schwarzen Musik auf Heavy Metal“ bejubelt, aber auch mit gefühlvollen Balladen wie „Three Times A Lady“. Später dann, nach der Trennung von den Commodores 1982 und der Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, etwa als Komponist und Produzent für Kenny Rogers („Lady“) oder als Duettpartner von Diana Ross („Endless Love“), als höchst erfolgreicher Solist. Mit seiner erotisch angehauchten Tenorstimme, verknüpft mit einer kraftvollen, ungemein lebendigen Bühnenshow, hat er jetzt bei seinem Auftritt in der nicht ganz ausverkauften Salzburg-Arena sein (durchaus gemischtes und alle Altersklassen umfassendes) Publikum mächtig auf Fahrt gebracht. Darunter wohl auch diejenigen Männer, die nur ihrer Liebsten zuliebe mitgekommen waren und Lionel Richie bislang für einen eher nervigen Schmusesänger gefälliger Easy-Listening-Balladen gehalten hatten. Denn was Richie in dem zweistündigen Konzert bot, kongenial unterstützt von seiner fünfköpfigen, furios aufspielenden Band, war schlichtweg grandios und kaum zu überbieten. Hier war ein flamboyanter Showman am Werk, der seine zahllosen Hits wie „Easy“, „Hello“ oder „Say You, Say Me“ nicht einfach ablieferte, routiniert und statisch, sondern der mit viel Präsenz und Gefühlsechtheit auf sein Publikum zuging, es immer wieder zum Mitklatschen und -Tanzen aufforderte und dabei selbst wie ein Derwisch über die Bühne fegte. So dass es spätestens bei „Dancing On The Ceiling“ niemanden mehr auf den Stühlen hielt. Aber auch die ruhigen Momente, ohne Rock und Pomp und nur mit Richie am Klavier, waren geprägt von höchster Intensität. Kurz gesagt: Ein Konzert, bei dem einfach alles stimmte, die Musik, der Sound, die Atmosphäre. Einfach großartig. Die Fans dankten es ihm mit frenetischem Applaus. ********************************************************************************************************************************** |
Anatomie eines Mordfalls Szenische Lesung mit Musik in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS "Tannöd" Foto: M.Heel
Der Kriminalfall Hinterkaifeck, dieser sechsfache Mord auf einem Einödhof in den 1920er Jahren, ist bis heute geheimnisumwittert. Nicht nur, dass der ungewöhnlich grausame Fall nie aufgeklärt wurde, auch die höchst seltsame Tatsache, dass sich der oder die Täter nach dem Mord noch tagelang auf dem Hof aufgehalten haben, dort in aller Ruhe gespeist und auch das Vieh versorgt haben, erregte die Gemüter. Und inspirierte vor wenigen Jahren die Regensburger Autorin Andrea Maria Schenkel zu ihrem Krimi „Tannöd“, für den sie zahlreiche Preise erhielt und der gegenwärtig auch verfilmt wird. Das Münchner Schauspieler-Ehepaar Johanna Bittenbinder und Heinz-Josef Braun (beide bekannt aus zahlreichen Fernseh- und Theaterproduktionen sowie den Filmen „Wer früher stirbt, ist länger tot“ und „Beste Zeit“) hat nun in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS eine ganz eigene Version des Romans vorgestellt. Als szenische Lesung, verknüpft mit musikalischen Einlagen, komponiert von Christian Ludwig Mayer (Akkordeon, Gitarre, Trompete) und aufgespielt von der Formation „Art Ensemble of Passau“, der neben Mayer an diesem Abend noch Leo Gmelch (Tuba, Posaune), Peter Tuscher (Trompete) und Dim Schlichter (Percussion) angehörten. Bereits nach den ersten lakonischen Sätzen, erzählt aus der Sicht des Mörders (hier weicht Andrea Maria Schenkel von den Fakten ab und präsentiert mit einem Nachbarn der Opfer auch den Täter samt Motiv), sind wir mittendrin im Geschehen, konfrontiert mit der Kaltblütigkeit eines Mannes, der nach seiner schrecklichen Mordtat offensichtlich ungerührt oben beschriebenen Alltagsverrichtungen nachgeht. Das packt auch denjenigen, der den Roman schon kennt, schafft die adäquate Atmosphäre für das nachfolgende Drama, das nun stückweise vor dem Publikum ausgebreitet wird. Knapp zwanzig Personen kommen außer dem Mörder noch zu Wort: die Opfer, eine Handvoll Nachbarn und Bekannte der ausgelöschten Bauersfamilie, eine Pfarrköchin, ein Monteur, ein Briefträger sowie ein Dieb, der indirekt Zeuge der mörderischen Vorgänge wird. Von Johanna Bittenbinder und Heinz-Josef Braun so lebensecht wie individuell ausgeprägt verkörpert, dass man meinen konnte, die Charaktere säßen mit einem am Tisch. Einfach großartig und lange nachwirkend. Ebenso das „Art Ensemble of Passau“, das mit seiner herrlich schrägen Mischung aus Fetzen von Tanzbodenmusik, Trauermärschen und diversen Geräuschkulissen die schaurige Mär kongenial ergänzte. Das Publikum im ausverkauften NUTS dankte mit intensivem, lange anhaltendem Applaus.
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Nick Woodland
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Der Affe fällt nicht weit vom Stamm Der Kabarettist Günter Grünwald war zu Gast in der Traunsteiner Chiemgau-Halle Saufen und fotografieren, mehr falle der heutigen Jugend nicht mehr ein, zürnte der Kabarettist an einer Stelle seines aktuellen Programm „Gestern war heute morgen“, einer Mischung aus Altbekanntem und neuen Nummern. Obwohl, so Günter Grünwald weiter, seine Generation sei genauso gewesen, nur das Fotografieren hätten sie weggelassen. Entsprechend spöttisch und hübsch treffend nahm er das Foto-Handy-Unwesen aufs Korn, bei seinem Auftritt in der ausverkauften Chiemgau-Halle und vor größtenteils jugendlichem Publikum. |
| Doch zunächst fragte er sich, ob es in der arabischen Welt wohl Geschäfte für Aufruhrbedarf gebe, und betonte, dass auch ihm freie Religionsausübung wichtig sei. Nur solle dies bitte leise und mit weniger Ernst geschehen, das Leben könne schließlich so lustig sein. Oder auch nicht, wenn man sich infolge permanenten Telefonierens, pardon, Fotografierens, in den Miesen wiederfindet. So wie Vati, der trotz Arbeitslosigkeit auch dem Konsumwahn verfallen sei. Aber der Affe fällt eben nicht weit vom Stamm. Überhaupt sei früher alles besser gewesen, so der Kabarettist. Man habe nicht jeden modischen Blödsinn mitgemacht, sondern sich am Brunnen vor dem Tore Geschichten aus längst vergangenen Zeiten erzählt und sich gefreut, wenn gelegentlich der Prinzregent vorbeigefahren sei. Zugegeben, im Winter habe man den 40 Kilometer langen Schulweg mit kurzer Hose und Sandalen bewältigen müssen, aber immerhin mit heißen Kartoffeln zum Aufwärmen in den Hosentaschen. Heutzutage dagegen sei den Kindern immer langweilig, würden die Eltern zunehmend in die Rolle von Animateuren gedrängt. Hätte er sich seinerzeit über Langweile beklagt, hätte man ihm geraten, sich auszuziehen und aufs Gwand aufzupassen. Aufpassen musste auch das Publikum bei dem Tempo, das Günter Grünwald an den Tag legte, zumal ein roter Faden in dieser Melange aus Alt und Neu nicht erkennbar war. Stattdessen wechselten sich bissige Anmerkungen zum Zeitgeschehen mit wildwüchsigem Fabulieren ab, paarte sich ernstzunehmende Kritik mit purem, aber recht witzigem Unsinn, ging es mit vielen effektiven Gags pointensicher und im besten Sinn routiniert zur Sache. Nach zwanzig Jahren im Geschäft vielleicht nicht verwunderlich, aber auch nicht gerade selbstverständlich. Themen und Schicksale wurden im Verlauf des Abends noch viele angerissen oder auch lustvoll und mit viel schwarzem Humor ausgemalt. Sei es diplomatisches Geschick im Umgang mit Freunden, die sich gerade im Krankenhaus durchchecken lassen: „Heini, du verreckst, egal, was dir die Ärzte weismachen wollen“; sei es die Bewältigung eines TV-Programms, das einen mit nackten, von Hautkrankheiten geplagten Frauen und „Gays in deiner Umgebung“ belästigt. Sehr interessant und spannend auch seine Vorführung, zu was ein Tesagewebeband alles nützlich sein kann (von der Reparatur eines Herzschrittmachers bis hin zur Übernahme einer NPD-Versammlung), seine Erläuterungen zur Katzenklappe, der größten Erfindung aller Zeiten, und wie seine Oma ihre Gehhilfe zu einem Streitwagen à la Ben Hur umfunktionierte und damit auf dem Wochenmarkt ein Massaker anrichtete, durften wir auch noch erfahren. Viel Szenenapplaus und ein kräftiger Schlussapplaus waren die Belohnung dafür. |
| Beseelt, folkig, wahr. „Lauschgold“ |
angereichert mit Improvisationen und „wie eine Oper gespielt“, sei es mit eigenen Werken, benannt nach den Orten, wo sie entstanden sind, wie etwa „Tucson Inspirations“, sei es mit „ausgeliehenen“ und konsequent weiterentwickelten Kompositionen wie dem französisch-stämmigen „Aquatintes/Coloured Water“. Zwischendurch erklärte Lohmeier den Zuhörern seinen kleinen „Dritte Welt-Laden“, d. h. seine aus 90 Einzelteilen bestehende Soundmaschine, und zu seinem Stück „Totora“, das Elemente südamerikanischer Folklore enthielt, durften die Zuhörer als höchst amüsantes Beiwerk die (tierische) Geräuschkulisse des Regenwalds imitieren. Einfach großartig. |
| Traunsteiner Tagblatt - 22. 11. 08 | |
| | Zu einem 4-Gänge-Menü, verknüpft mit der "Power of Magic“, fanden sich im Traunsteiner Brauereiausschank Schnitzlbaumer rund 70 Gäste ein. Die dann zwischen Carpaccio vom Bresaola, Pangasius-Roulade an Safransauce und weißem Schokosoufflé auf zweierlei Fruchtpüree so unheimliche wie spektakuläre Effekt erleben konnten. Inszeniert von Adrian Dröge, einem Spezialisten im Bereich Illusionsbau, und Roland Mayer, einem Meister der Mental-Magie. Und natürlich unter reger Mitwirkung der Gäste, die von den beiden Magiern zu manch einem Experiment herangezogen wurden. Wobei kein Gedanke verborgen blieb, und sogar ein „Lügentest“ zu bestehen war. Ein echtes „Magic Dinner“ also, auch wenn der Service und die Qualität des Menüs einige Wünsche offen ließen. |




