Intelligente Rockmusik vom Feinsten

Große Begeisterung beim Alan Parsons Live Project im Salzburg Congress

 

   Seine vielen Hits wie „Don’t Answer Me“ oder „Eye in the Sky“ kennt fast jeder, aber er selbst ist meist im Hintergrund geblieben, als Komponist und Produzent. Dabei hat der 1948 in London geborene und heute in Kalifornien wohnhafte Alan Parsons Musikgeschichte geschrieben. Zunächst als Tontechniker für die Beatles („Abbey Road“; 1969) und Pink Floyd („The Dark Side of the Moon“; 1973) tätig, tat er sich Mitte der siebziger Jahre mit dem Songschreiber Eric Woolfson zusammen, um Schauergeschichten von Edgar Allan Poe zu vertonen. Mit Hilfe von Gastmusikern entstand daraus das Album „Tales of Mystery and Imagination“ (1976), das sie unter dem Namen „The Alan Parsons Project“ veröffentlichten. Weitere Konzeptalben wie „Pyramid“ (Pyramiden-Kult; 1978), „The Turn of a Friendly Card“ (Astrologie und Wunderglaube; 1980) oder „Eye in the Sky“ (Überwachungsstaat; 1982) folgten, Klangkunstwerke auf höchstem technischem Niveau, erfolgreich beim Publikum, von der Kritik eher zwiespältig aufgenommen. Wobei neue Keyboard-Techniken es ab den neunziger Jahren möglich machten, den komplexen und orchestralen Sound der Songs auch live wiederzugeben.

   Jetzt trat Alan Parsons im Rahmen seiner Greatest Hits Tour 2013 auch im Salzburg Congress auf, begleitet von sechs Topmusikern, die das Publikum im Handumdrehen für sich einnehmen konnten. Allen voran Kip Winger, der als überaus lebhafter Leadsänger und Gitarrist mit dem Song „Price to Pay“ bereits für beste Stimmung sorgte, als der Meister noch gar nicht auf der Bühne stand. Gesanglich zur Geltung kamen auch der Leadgitarrist Alistair Greene, der Saxophonist (und Gitarrist) Todd Cooper und der Bassist Guy Erez, perfekt ergänzt von Tom Brooks an den Keyboards und Schlagzeuger Danny Thompson. Alan Parsons selbst hielt sich meist im Hintergrund, fast bescheiden, aber immer gut sichtbar auf einem Podest neben dem Keyboarder. Dazu spielte er Rhythmus-Gitarre und übernahm bei einigen Songs wie „Lucifer“ oder „Eye in the Sky“ mit beachtlicher Stimme den Gesangspart.

   Aber auch die Auswahl der Songs, der Sound und die Lichteffekte ließen keine Wünsche offen. Jedenfalls habe ich selten eine Show erlebt, die dermaßen ausgewogen und durchstrukturiert war, ohne deswegen steril zu wirken. Da merkte man Parsons Ausbildung zum Tontechniker, den brillanten Soundtüftler und Arrangeur, der nichts dem Zufall überlässt. Und wenn man dann noch aus dem Vollen schöpfen kann, was sollte da noch schief gehen! Hinreißend etwa die Harmoniegesänge bei „La Sagrada Familia“ (vom Album „Gaudi“; 1987), oder das gut viertelstündige, sich furios steigernde Set der B-Seite von “The Turn of a Friendly Card”. Da war dann auch beim bunt gemischten Publikum kein Halten mehr, das mit Jubelrufen und Standing Ovations die Band immer weiter anfeuerte. Schade (und unverständlich) nur, dass der Saal nicht ausverkauft war. Vielleicht, weil man zwar seine Hits, aber nicht den Mann dahinter kennt? Ich jedenfalls habe mir bereits ein Live-Album bestellt.

 

 Traunsteiner Tagblatt,13.08.2013                           Wolfgang Schweiger