Bachblüten und andere Gewächse

Musikalische Streifzüge mit André Hartmann im Traunsteiner NUTS

 

Wer’s noch nicht wissen sollte: Alle Musik dieser Welt geht letztendlich auf Johann Sebastian Bach zurück! Das behauptete jedenfalls der Pianist, Stimmenimitator und Entertainer André Hartmann, der aus dem hohen Norden (des Starnberger Sees) in die gut besuchte Traunsteiner Kulturfabrik NUTS gekommen war, um hier den Beweis anzutreten bzw. sein Programm „Prél …Ude“ vorzustellen.

Ude, werden sich jetzt manche fragen, ist das nicht …? Genau, jener ominöse Münchner Oberbürgermeister namens Christian Ude, der im vergangenen Jahr Horst Seehofer vom Thron stoßen wollte, aber kläglich dabei scheiterte. Was unter anderem daran gelegen sei, so Hartmann, dass Ude in der SPD ist und außerdem noch kinderlos, 1860er Fan und evangelisch. Und leider auch kein großer Redner, wie der Musikkabarettist in einer glänzenden Parodie auf Udes „Redekünste“ nachschob; kennt er den Politiker doch vom Nockherberg her, wo er zu Zeiten der rot-grünen Koalition als Double von Kanzler Gerhard Schröder auftrat und später an gleicher Stelle den Ude gab.

Doch Ude war nach ein paar Wortspielereien schnell abgehakt, Auftritt Johann Sebastian Bach, der heuer seinen 329. Geburtstag feiern könnte, wäre er nicht vorzeitig verstorben. Dem jubelte Hartmann anschließend alles unter, was ihm unter die Finger kam bzw. vom Publikum gewünscht wurde, spontan, improvisationsfreudig und spieltechnisch derart gekonnt, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskam.

Einfach faszinierend, wie Hartmann, der im Hauptberuf Musiklehrer am Planegger Gymnasium ist, scheinbar mühelos Popmelodien mit Kompositionen von Bach vermengte und Titel wie „Yellow Submarine“, „Proud Mary“ oder „As Time Goes By“ auf den alten Herrn zurückführte. Gut, die Beweisführung war nicht immer ganz schlüssig, aber immer höchst unterhaltsam, zumal der Musikkabarettist in seiner Paraderolle als Gerhard Schröder die Show moderierte und zwischendurch auch andere Showgrößen wie Hans Moser, Inge Meysel oder Edmund Stoiber zu Wort kommen ließ.   Kurzum, ein so kurzweiliger wie pädagogisch wertvoller Abend, bei dem alle Beteiligten auf ihre Kosten kamen. Das Publikum, weil es eine großartige Show geliefert bekam, der Künstler, weil er ein großartiges Publikum vorgefunden hatte.

 

Traunsteiner Tagblatt 20.02.2014                                                         Wolfgang Schweiger