Ein buntes Potpourri schräger Figuren 

Die Kabarettistin Constanze Lindner war zu Gast in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS

Es kommt relativ selten vor, dass mich eine Kabarettistin während der Vorstellung herzlich umarmt, andererseits war ich nicht der einzige an diesem Abend, mit dem Constanze Lindner auf Tuchfühlung ging. Von Bestechung kann also nicht die Rede sein. Tatsache ist einfach, dass die Münchner Schauspielerin und Kabarettistin zu den Künstlern zählt, die ihr Publikum gerne mit einbeziehen. Das mag nicht jedermanns Sache sein, nicht umsonst möchten manche Besucher eines Kabarettabends nicht in der ersten Reihe sitzen, kann aber auch seinen Reiz haben.

Wie dem auch sei, ihr Auftritt in der gut besuchten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS, wo sie als Vorpremiere ihr erstes abendfüllendes Programm „Es wird gestanzt heut’ Nacht“ vorstellte, war jedenfalls ein Riesenerfolg. Erfrischend natürlich und unglaublich wandlungsfähig, präsentierte sie mit Tempo, Tanz und viel Gesang ein buntes Potpourri schräger, aber liebenswerter Figuren, gespickt mit schwarzem Humor und viel absurder Komik.

Da paarte sich komödiantisches Schauspieltalent mit Sprachwitz, als sie ihrem Verlobten, einem gewissen Herrn Bauer, drohte: „Hör auf zu heulen, sonst koch ich dir was“, oder sich über sein Biersaufen zur Rettung des Regenwalds mokierte. Oder, beim makabren Höhepunkt ihrer Show, als sie demonstrierte, wie es sich angehört hatte, als sie Flipper und Fury, den zwei Hamstern ihres Verlobten, versehentlich den Garaus machte. Um gleich darauf fröhlich und mit zwei hübschen Ohrenschützern aus Fell herumzutanzen.     

Köstlich auch ihr Spiel als Victoria Witchpopp vom östlichsten Rand der ehemaligen Sowjetunion, wo es die strengsten Winter, den stärksten Wodka und die dümmsten Männer gibt. Und wo die Menschen immer sagen, was sie denken. Also oft jahrelang nichts! Nicht zu bremsen war ihre Spielfreude auch als gebrechliche Großmutter mit sprunghaftem Steiftier, oder als

schrullige Cordula – eine kleine Person mit Wollmütze, Riesenbrille und

Mordsgebiss, die um ihre Defizite weiß, aber weil die Hoffnung zuletzt stirbt,  

munter weiter nach dem Mann ihres Lebens Ausschau hält. Nicht zu vergessen ihr Auftritt als ewig aufgedrehte Sängerin Wally Chantalle Breitinger, weltbekannt durch Möbelhauseröffnungen, die so wertvolle Ratschläge wie „man muss nicht immer schnackseln, oft reicht auch ein Gespräch“ parat hatte.

Und weil jeder richtige Künstler auch einen Manager braucht, schlüpfte Constanze Lindner auch in diese Rolle und beriet sich selbst. Zum Beispiel, dass sie auch mal ihre dunkle Seite rauslassen solle, sprich: im abgedunkelten Badezimmer sich hübsch machen. Der beste Tipp aber war, was sie der Kabarettistin mit auf den Weg gab: „Wenn du es in Traunstein schaffst, schaffst du es überall.“

   Da kann man nur sagen: geschafft.

 

Traunsteiner Tagblatt, 21.11.13                                                Wolfgang Schweiger