Weit ist der Weg zum Rio Bravo

Hannes Ringlstetter mit „Ringl on fire“ im Bad Reichenhaller Magazin 4

   „Wenn der des kann, dann kann i des a“, sagte sich der Kabarettist Hannes Ringlstetter, nachdem er den Film „Crazy Heart“ gesehen hatte, in dem Jeff Bridges, einer der besten amerikanischen Schauspieler, einen Countrysänger verkörperte. Also stellte er eine Band, die „Good Old Losers Company“ zusammen, verstärkte sie mit den Backgroundsängerinnen Angie Eastwood und Rosalie Skinner und nahm ein amerikanisch-bairisches Album mit Countrysongs und Landlebenliedern auf, benannt „Ringl on fire“, das er jetzt im gut besuchten Bad Reichenhaller Magazin 4 präsentierte. Und dabei für einen ganz wunderbaren Abend mit viel Humor und noch mehr Gefühl sorgte.   

   Humor deswegen, weil Ringlstetter nicht nur als Sänger glänzte, sondern auch als Erzähler zu begeistern verstand, wenn er von seiner Sehnsucht nach dem Wilden Westen fabulierte, wo ein Mann noch ein Held sein konnte und man nichts weiter brauchte als ein Gewehr und ein gutes Pferd. Eine Sehnsucht, ausgelöst durch ein „traumatisches Erlebnis“. Musste er seinerzeit beim Kinderfasching doch statt Cowboy im Kasperlkostüm herumlaufen, weil besorgte Eltern meinten: „man zielt nicht auf andere Menschen“. Wie sollte man da ein cooler Hund werden und die Freiheit finden, die irgendwo am Rio Bravo lag? Oder Mädchen wie die Riedl Uschi rumkriegen, die den Hannes nur küssen wollte, wenn morgen die Welt unterging?

   Eine herbe Enttäuschung war auch sein Besuch am Tag der offenen Tür in der JVA Straubing, wo er gehofft hatte, die ganz harten Jungs anzutreffen.

Ein Besuch, der sich als ein „Nachmittag des Grauens“ entpuppte. Arbeiteten die Männer doch brav an irgendwelchen Maschinen oder gingen im Hof spazieren, waren ruhig und höflich. Und als Vorzeigeexemplar dann noch ein Mörder, der in der Haft das Abitur nachgeholt hatte. Wie peinlich!

   Doch zurück zur Musik, zum Johnny Ringl, der sich mit seiner „Good Old Losers Company“ gleich mit dem ersten, hochemotionalen Titel „Hold on you“, einer Hommage an Jeff Bridges, in die Herzen der Besucher spielte.  

Ähnlich berührend ging es weiter mit dem sagenhaft schönen Song „If

tomorrow never comes“ von Garth Brooks und dem aufwühlenden Dixie Chicks-Titel „Travellin’ Soldier“. So lässig wie einfühlsam auch Ringlstetters Interpretation von „My rifle, my pony and me“ aus dem Western „Rio Bravo“, und dass „Ring of fire“ nicht fehlen durfte, versteht sich wohl von selbst.

   Aber auch eigene Lieder des Kabarettisten, Schauspielers und Musikers kamen prächtig zur Geltung. So entführte uns Ringlstetter zum „Pimperlake“, wo er zu ihr am Feuer sagt: „Hey Baby, ich hab was zu vermelden: Heut zeugen wir einen Helden!“. Fragte er sich „Keiner liebt dich, wieso ich?“, und erzählte, anschaulich wie in einem Roadmovie, wie es ist, auf der Autobahn „Unterwegs mit Dir“ zu sein.

   Ergänzt wurde all dies von Textbeiträgen, vorgelesen von Georg Schießl,

die Kleinhannes’ Eskapaden wie „Kill the chicken of the Riedl Bauer“ wieder aufleben ließen. Wer nicht dabei sein konnte oder jetzt auf den Geschmack gekommen sein sollte, dem sei die CD „Ringl on fire“ empfohlen, auf der neben 11 tollen Songs auch die erwähnten Texte zu finden sind, hier gelesen von dem Schauspieler Christian Tramitz. Nähere Infos unter www.hringlstetter.de

 

Traunsteiner Tagblatt, 24.07.2013                                Wolfgang Schweiger