Der alte Mann und der Blues

Klasse Konzert mit John Mayall & Band im Salzburger republic

„Please welcome the legendary John Mayall“ tönte es durch den ausverkauften Saal des Salzburger republic, und gut 600 Fans begrüßten den „weißen König des schwarzen Blues“ der vor wenigen Monaten 80 Jahre alt geworden ist und auf seiner ausgedehnten Geburtstagstournee jetzt auch in Salzburg Station gemacht hat. Für mich ein besonderes Erlebnis, da mein letzter Besuch eines John Mayall-Konzerts über 40 Jahre zurückliegt. Genauer gesagt, war ich dabei, als er 1971 in München sein Album „The Turning Point“ vorstellte, auf dem sich mit „Room To Move“ auch sein einziger Welthit befindet. Ein sensationeller, unvergesslicher Auftritt, entsprechend gespannt war ich, wie der Mann, der so viel für den Blues(Rock) geleistet hat, heute ankommt.

Um es gleich zu sagen: Er hat wohl niemanden enttäuscht, vielleicht auch, weil er niemandem mehr etwas beweisen muss. Dafür ist er zu lange im Geschäft, den Respekt seiner Fans hat sich der nahe Manchester als Sohn eines jazzbegeisterten Angestellten geborene Musiker längst verdient. Schließlich trat er bereits 1950 mit einem Blues-Trio auf, bevor er nach seinem Militärdienst in Korea und einer Ausbildung zum Grafik-Designer 1962 die Bluesformation „Powerhouse Four“ gründete, die er bald darauf in „Blues Syndikat“ umbenannte. Zu dieser Zeit wurde Alexis Korner (1928 – 1984), neben Mayall der zweite „Vater des britischen Blues“, auf ihn aufmerksam und ermutigte ihn, in London als Musiker zu arbeiten. Mayall stellte seine Band erneut um und präsentierte sie 1963 im Londoner Marquee Club unter dem Namen „Bluesbreakers“, zu deren ständig wechselnder Besetzung so große Namen wie Eric Clapton, Jack Bruce, Peter Green oder Mick Taylor zählten.

Entsprechend lässig (und sichtlich gut in Form) betrat er die Bühne, eine knappe Ansage, und los ging’s, gut zwei Stunden lang und mit Songs, die größtenteils den Alben „Blues From Laurel Canyon“ und „Tough“ entnommen waren. Lieferte er ab, was von ihm erwartet wurde: Blues-Power pur, an der Orgel, am E-Piano, an der Gitarre, an der Mundharmonika. Aber auch als Sänger überzeugte er noch voll und ganz, brachte er echtes Blues-Feeling ins kernige Spiel, angetrieben von Rocky Athas (Gitarre), Greg Rzab (Bass) und Jay Davenport (Drums), die ihm nicht nur den Rücken stärkten, sondern auch mit ausgedehnten, an keiner Stelle langweiligen Solo-Einlagen für sich einnahmen. Zwar war dabei kaum zu unterscheiden, ob die gerade gespielten Titel wie „So Many Roads“, „The Sum Of Something“ oder „Dirty Water“ aus den sechziger Jahren stammten oder neu waren, frisch, intensiv und inspiriert klangen sie alle.

Sehr schön war auch, dass bei etlichen Songs als „Gaststar“ sein Neffe Lee Mayall am Saxophon brillierte und der Meister als Zugabe bzw. Höhepunkt seines Auftritts mit „Room To Move“ seiner Freiheitsliebe nochmals Ausdruck verlieh. Kurzum, ein wunderbarer Abend und ein Wiedersehen, das sich mehr als gelohnt hat.

Traunsteiner Tagblatt, 01.03.2014                                                                                  Wolfgang Schweiger